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Mein Pferd soll mir Vertrauen!

Du wünschst dir ein Pferd, welches dir bedingungslos folgt, sich mit dir in schwierige Situationen begibt und vertrauensvoll an deiner Seite bleibt und deine Führung nicht in Frage stellt? Damit bist du nicht allein. Es ist ist die meist gewünschteste Sache, die ich zu hören bekomme.

 

Etwas provokant möchte ich dir zu diesen Wunsch eine Frage stellen: Kannst DU denn überhaupt deinem Pferd vertrauen?

 

Ich höre bereits die ersten “Ja, aber’s…”: “Aber, wenn das Pferd doch MIR vertraut, dann kann ich doch auch IHM vertrauen?” Die Sachlage scheint verzwickt. Was hat es denn mit diesem Wunsch überhaupt auf sich? Hand auf’s Herz: ist es nicht in Wirklichkeit so, daß es dabei möglicherweise eher um dich geht? Du wünschst dir, daß ihr Situationen unbeschadet meistern könnt, daß DU entspannt mit deinem Pferd unterwegs sein kannst…?

 

Du möchtest also erst etwas HABEN, bevor du glaubst, selbst etwas GEBEN zu können. Du möchtest erst das Vertrauen des Pferdes haben, damit du Vertrauen zurückgeben kannst. Ohne es genau zu merken, gibst du damit die Verantwortung an das Pferd. Das Pferd entscheidet (in dem es sich entscheidet, dir zu vertrauen), daß ihr entspannt sein könnt, daß ihr problematische Aufgaben gemeinsam lösen könnt.

 

Vertrauen in mein Pferd
Foto: Severina Roth Fotografie

Vertrauen, was ist das überhaupt?

 

Zuerst solltest du überlegen, was Vertrauen überhaupt für dich bedeutet. Ist es das gleiche, wenn das Pferd liegen bleibt, wenn ich komme, wie wenn es mit mir gefährliche Situationen überwindet? Nein, natürlich nicht! Wenn das Pferd in seiner gewohnten Umgebung liegt, und der gewohnte, nette Mensch kommt, kann das Pferd vertrauen. Was sagt diese Situation darüber aus, ob man dem gleichen Mensch in einer vermeintlich gefährlichen Situation sein Leben anvertrauen kann? Nichts.

 

Wenn mein Leben, oder sagen wir mal, meine “Unversehrtheit” in Gefahr ist, dann vertraue ich jemanden, der sich mit der Sache auskennt. Aber wie erkenne ich, daß dieser Jemand sich auskennt?

 

Er zeigt sich selbstbewusst, souverän, er behält die Nerven, er scheint genau zu wissen, was er tut oder was wir tun müssen. Er hat einen Blick für das Wesentliche und wägt blitzschnell ab. Ich erkenne ihn daran, daß er mich an die Hand nimmt; mir genau sagt, welchen Fuß ich wohin setzen muß, damit mir nichts passiert.Und vermutlich gibt er mir Aufgaben, denn ohne mein Zutun kommen wir aus der Lage nicht heraus. Er gibt mir klare, bestimmte Anweisungen und er muß darauf vertrauen können, daß ich sie richtig ausführe. Sonst geraten wir womöglich noch mehr in Gefahr.

 

Wir alle haben schon mal den einen oder anderen Film gesehen, wo das panische Fehlverhalten einer Person eine ganze Gruppe gefährdet hat. Und wir alle dachten bei uns: Dieser Idiot! Der bringt alle in Gefahr!

 

Die Frage ist für mich also nicht, ob mir mein Pferd vertraut. Sondern die Frage ist für mich: Kann ICH meinem Pferd vertrauen?

 

Kann ich darauf vertrauen, daß mein Pferd zu jedem Zeitpunkt auf meine Anweisungen reagiert, egal wie ängstlich es ist? kann ich darauf vertrauen, daß anhält, rückwärts tritt, seitwärts geht, sich bremsen läßt, lenken läßt - egal welche eigenen Ideen es gerade für richtiger hält? Kann ich darauf vertrauen, daß mein Pferd mich immer im Auge behält, damit es keine meiner Anweisungen verpaßt?

 

Jetzt kann ich dem Pferd beweisen, daß durch sein Befolgen meiner Anweisungen, wir heil nach Hause kommen, daß ich jede Situation im Griff habe. Es muß jetzt nicht mehr selbst entscheiden, es muß keine Verantwortung mehr tragen. DAS PFERD KANN ENTSPANNT MIT MIR SEIN. Es beginnt mir zu vertrauen.

 

Denk' darüber nach, ich freue mich auf deine Kommentare

 

Liebe Grüße, Nicole

 

PS: Wenn du selbst unsicher bist, oder sogar Angst hast - dazu habe ich einen weiteren Artikel geschrieben (Die Sache mit der Angst https://www.lebedeinpferd.de/…/wie-du-wieder-vertrauen-in-…/ ). Denn erst mußt du natürlich deine eigenen Ängste überwinden, bevor du in schwierigen Situationen selbstsicher deinem Pferd zur Seite stehen kannst.

 

Foto: Severina Roth Fotografie

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