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Der Umgang mit dem Stick

 

Der lange Stick (ich spreche von der 120m Version) hat seine Vorteile genau in jenen Dingen, die man ihm zugleich auch ankreidet: Seine Länge und sein Gewicht! Doch wie gehst du damit am besten um, ohne dich selbst gestört zu fühlen und dein Pferd so fein wie möglich zu trainieren?

 

Warum muß der Stick überhaupt so lang sein?

 

Seine Länge hat entscheidende Vorteile, besonders wenn ich entferntere Regionen des Pferdes erreichen möchte, oder einfach nur einen größeren Abstand zu Pferd habe, wie es bei der Freiarbeit häufig vorkommt. Wenn ich meinen Arm noch zusätzlich als Verlängerung einsetze, kann ich dem Pferd genügend Bewegungsfreiraum bieten, um sich ungestört und präzise zu bewegen. Durch seine Stabilität “wippt er nicht nach” und ist dadurch “ruhiger” in der Hand als eine etwa gleichlange Dressurgerte. Er macht meine Hand- und Armbewegungen schwerfälliger und damit auch überlegter. Ein dazu passender String, der übrigens immer länger als der Stick sein sollte, vergrößert noch mal die Möglichkeit auf größere Entfernung meinem Pferd Signale geben zu können. Auch der String sollte von guter Qualität und nicht zu leicht sein. Für die Grundausbildung in der Freiarbeit empfehle ich einen langen Stick von 120cm Länge und einen String von ca 180 cm Länge. (was ich benutze findet ihr am Ende des Blogs)

 

Das eigentliche Ziel des langen Sticks ist, ihn so wenig wie möglich benutzen zu müssen. Sein Gewicht erinnert mich freundlicherweise jedesmal daran, wenn ich mit dem Stick in Bewegung bin. Gerade das häufig angewendete “Wippen oder Wedeln”, macht dem Anwender buchstäblich das Leben schwer und nebenbei nimmt es dem Pferd auch die Chance, auf kleinere Zeichen reagieren zu können. Genau dazu ist das Fluchttier Pferd jedoch hervorragend in der Lage.

 

“Wippen und Wedeln”

 

In manchen Trainingsweisen ist das “Wippen und Wedeln” mit dem Stick und String ein wichtiges Element, bevor es zum tatsächlichen Kontakt kommt. Doch bei vielen Anwendern gehört genau dieses “Wippen und Wedeln” so sehr zum regelmäßigen Standardprozedere, daß nur zu gern wird vergessen es auf lange Sicht zu reduzieren. In diesem Fall sollte sich der Pferdebesitzer die Frage stellen, ob sein Pferd nicht genau diesen Ausbildungsstand schon lange hinter sich gelassen hat und / oder warum er immer noch mit dem Stick “Wippen” muß, bevor es der gewünschten Aufforderung nachkommt?

 

Besser wäre es, die Pferde gar nicht erst auf die ständigen Wipp-Bewegungen zu konditionieren. Nicht nur, daß es für den Anwender sehr anstrengend wird - der Störfaktor vor dem Pferdegesicht / Pferdeauge ist auch enorm. Für einen Selbsttest solltet ihr euch oder einem Partner in Kopfnähe mit dem Stick vorwippen. Nach wenigen Versuchen wird klar: Natürlich kann man sich daran gewöhnen - aber es irritiert ungemein! Ständig fokussieren die Augen die Bewegung des Störfaktors.

 

Ist also dein Pferd mit dem Stick vertraut, fürchtet sich nicht, zeigt keine gefährlichen Verhaltensweisen und kennt die trainierten Signale, dann solltest du überlegen, ob du dem Pferd zuliebe das Wippen nicht deutlich reduzieren kannst, besser es sogar ganz einzustellen. Meiner persönlichen Ansicht nach müßte es gar nicht erst im Training Verwendung finden.

 

Vertraue deinem Pferd, daß es auch feinere Signale von dir lesen kann und gib ihm die Chance, dir das zu beweisen. Gleichzeitig störst du nicht mehr seinen sensiblen Kopfbereich, seine Augen können sich besser auf das Wesentliche konzentrieren: nämlich dich! Es kann außerdem auch leichter den Kopf fallen lassen, anstatt ihn irritiert hochzunehmen, wie man es leider doch sehr häufig sieht.

 

By the way - Pferde, die den Kopf hochnehmen (müssen), weichen wohl oft genauso gut aus wie jene, die das nicht tun - doch habe ich hier ganz schnell einen entscheidenden Nachteil im weiterführenden Training: Je höher der Kopf genommen wird, desto mehr wird der Rücken nach unten weggedrückt. Möchtest du auch an die Gesunderhaltung deines Pferdes denken, solltest du darauf achten, daß es den Rücken leichter hochnehmen kann, anstatt ihn wegzudrücken. Es liegt in unserer Verantwortung, es dem Pferd so leicht wie möglich zu machen!

 

Wie du dir das Gewicht zu Nutze machen kannst

 

Ein Stick von vernünftiger Qualität hat nicht ohne Grund ein recht hohes Eigengewicht. Durch sein Gewicht wird er schwerfällig und ist langsamer mit der Hand zu bedienen. Ein großer Vorteil für das Pferd: denn ich habe eher die Möglichkeit den Stick abzubremsen, als  vorschnell zu treffen. Die Bewegung mit dem Stick muß geübt und überlegt sein! Durch das richtige Handling kann ich mir das Gewicht sogar zu Nutze machen, ohne, daß ich selbst große Kraftanstrengung aufbringen muß. Meine Signale werden dadurch ruhiger und feiner.

 

Generell gilt der Merksatz: je kleiner der Stick, desto schneller ist er. Je größer, desto ruhiger.

 

Damit ist klar, daß der Stick nicht von der Größe des Pferd abhängig ist, sondern von der Hand die ihn bedienen will und auch, was sie damit vor hat. Brauche ich eher kleine, schnelle Bewegungen, nehme ich den kurzen Stick. Ist mein Pferd noch in der Grundausbildung, muß es noch häufig überlegen und sitzt noch nicht alles so einwandfrei: dann nehme ich den großen Stick.

 

Tipps für den Umgang

 

Wenn du den großen Stick an seinem Griff hältst und ihn senkrecht nach unten pendeln läßt, stellst du fest, daß er nahezu von alleine pendelt. Sein Eigengewicht hält ihn in Schwung. Ein kürzerer Stick muß deutlich häufiger angeschubst werden. Seine Pendelbewegungen sind schneller und kleiner.

 

Die große Pendelbewegung des langen Sticks mache ich mir zunutze, sofern ich ihn verwenden muß: Ich bewege den Stick nicht aus dem Handgelenk heraus (das müßte ich dann ständig abknicken und eine Menge Kraft dafür aufbringen. Nicht selten entstehen Schmerzen in der Hand oder Unterarm). Stattdessen lasse ich ihn aus meinem Arm heraus zum Pferd vorkommen oder zurück. Vereinfacht kann man sich die Haltung und Bewegung eines Tennisschlägers vorstellen. Allein der Schwung läßt den Stick schon nach oben oder vorn schwingen, ganz ohne meine Muskelkraft.

 

Der String

 

Zusammen mit dem String ergibt er der Stick eine recht lange Kontaktmöglichkeit zum Pferd, auch auf größeren Entfernungen. Auch beim String gilt es zu überlegen, ob es wirklich notwendig ist, mein Pferd mit einem herumschleifenden oder herumbaumelnden String zu stören und zu desensibilisieren. Besser wäre es, mögliche Ängste zu nehmen und den String danach nur noch gezielt zu verwenden. Im Idealfall halte ich den String am Stick entlang fest, und läßt ihn nur noch bei Bedarf zu Boden. So kann er bei Nichtbenutzung keine unnötigen und störenden Signale geben.

 

Jedes Equipment ist nur so gut, wie der, der es bedient

 

Von einer Reiterhand erwarten wir, daß sie fein ist und präzise Hilfen geben kann. Ist der Reiter noch nicht gut genug, wird er von sich aus üben oder von seinem Reitlehrer animiert, seine Hände besser zu kontrollieren und eine weiche Verbindung zum Pferdemaul zu erzielen.

 

Gleiches gilt auch für den Umgang mit dem Stick und String. In der Freiarbeit ist er das letzte verbleibende “Werkzeug”, was ich in Händen halte. Was bei den Zügeln selbstverständlich ist, sollte auch mit dem Stick zur Normalität gehören: der korrekte und präzise Umgang damit. Feine Hilfengebung und Signale. Ich rate dringend, mit dem Stick immer wieder Trockenübungen zu machen, die darauf abzielen einen Punkt genau zu treffen und auch die Intensität dabei zu steuern.

 

Übungsvorschläge

 

Übung für die Intensität: Für den ungeübten Reiter geht das gut mit einer Pylone. Stelle dich in etwas Abstand zur Pylone und übe den String um die Pylone fallen zu lassen, ganz so wie eine Umarmung. Du kannst dir vorstellen, daß du den String um die Pylone LEGST und nicht wirfst, oder schlägst. Achte darauf, daß kein oder nur ein geringes Geräusch vom Seil in der Luft, wie auch beim Landen auf der Pylone zu hören ist. Übe auch mit deiner anderen Hand!

 

Bist du treffsicher genug, bitte einen Partner sich vor dich zu stellen.. “Lege” den String sanft um seine Waden, Oberschenkel, Po und schließlich seine Hüfte (bitte nicht höher, damit niemand im Gesicht getroffen wird). Der Partner soll dir Feedback geben, wie sich der String angefühlt hat. Anschließend wird getauscht.

 

Übung für den präzisen Einsatz: Übe mit dem Lederende des Strings exakt einen vorher ausgewählten Punkt zu treffen. Beispielsweise eine Markierung an der Pylone, die obere Spitze eines  Zaunpfostens, die Buchstaben an der Bande, etc... Man kann auch ein Spiel daraus machen, und einen Apfel von einem Zaunpfosten "werfen" oder ähnliches.

 

Du brauchst Hilfe?

 

In meinen Kursen, gerade in den Beginner-Kursen, zeige ich dir den richtigen Umgang mit dem Equipment. Auf dem Stick und String liegt dabei mein besonderes Augenmerkt. Ich würde mich freuen, wenn wir uns kennenlernen. Bist du interessiert an einem Kurs an deinem Stall? Schreib’ mir doch eine Nachricht, dann besprechen wir die Details!

 

Deine Nicole

 

Produkte die ich verwende: Stick und String von Brockamp, Profiqualität

Stick 120 cm, String 180 cm

Beides kann im Kurs über mich bezogen werden.

 

Möchtest du an dir und deinem Pferd arbeiten, gemeinsam weiterkommen? Dann organisiere doch einen Kurs bei dir am Stall! Schreib' mir eine Nachricht, dann besprechen wir die Details.

 

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