· 

Die Sache mit der Angst- Das Vertrauen in dein Pferd wiederfinden & stärken -

Nicole Friedrich und Maus

 

Wenn einmal das Vertrauen weg ist, dann will es irgendwie nur schwer wiederkommen. Oft passieren sogar noch weitere Dinge, die dich in deinem Misstrauen noch bestärken. Um das Vertrauen in dein Pferd wiederzufinden, gibt es gleich mehrere Dinge zu tun. Ich möchte dir ein paar Anregungen mit auf den Weg geben.

 

Schokolade für mehr Mut

 

Mit dem Vertrauen ist es so eine heikle Sache. Wurde es einmal verletzt, dann entsteht ein kleiner Riss. Vergleichbar mit damals, als du als Kind mit dem Fahrrad gestürzt bist und hattest eine hässliche Schramme am Knie. “Nicht schlimm.” hat meine Oma damals gesagt und mich getröstet. “Das passiert schon mal.” Es gab ein Pflaster, vielleicht noch eine Schokolade dazu. Dann hat sie immer gepustet, nach oben geschaut und gesagt: “Kuck! Da fliegt es!”

 

 

 

Ich habe natürlich keinen blassen Schimmer, was da geflogen ist - gesehen hab ich nichts. :-) Aber das ist auch ganz egal, denn es hat tatsächlich geholfen! Die Oma hat alle Zweifel einfach davongepustet. Danach ging's gleich wieder rauf auf’s Fahrrad - “Wollen wir doch mal sehen, wer hier wen zum weinen bringt!”

 

War es bei dir so ähnlich? Kannst du von diesen kleinen Schrammen noch etwas sehen? Vielleicht waren auch mal ein paar größere dabei, aber auch die sind doch heute gut verheilt, oder? Kannst du heute Rad fahren?

 

Dann sind wir plötzlich älter, irgendetwas geht schief und unser Selbstvertrauen bekommt eine kleine Schramme. Genau, wie es damals mit dem Fahrrad war. Aber jetzt passiert etwas völlig anderes: statt ein  Pflaster auf die Sache zu kleben, eine Schokolade zu essen und einen Haken dran zu machen, begegnen wir der Situation beim nächsten Mal mit Unbehagen. Meine Oma ist nicht da, also übernehme ich die Mutmach-Aufgabe selbst. Ich bin ein bißchen aufgewühlt und kriege den Text nicht mehr zusammen. Da war doch sowas wie: “pusten und dann “Kuck, da ist es!” DA IST ES! Zweifel und Angst. Dann erinnere ich mich, ich muß wieder aufsteigen. Also mache ich das. Aber es fühlt sich gar nicht so gut an. Zum Glück bin schon vorbereitet. Mein Körper sendet schon mal Stress Signale aus. Die brauch’ ich auch, damit ich schneller reagieren kann, wenn es wieder passiert.

 

Das Unterbewusstsein speichert negative Erlebnisse ab, um dich zu schützen

 

Das Problem kommt dann auch tatsächlich, ich fühle mich bestätigt. “Die Sache taugt nichts. Ich kann das nicht, ich habe Angst, ich will das nicht…”

 

Alle diese Überlegungen geschehen in deinem Unterbewußtsein. Es will dich vor einer neuen Gefahr schützen. Manchmal ist die Macht des Unterbewusstsein sogar so stark, daß es dich nicht mal mehr auf das Pferd aufsteigen läßt. Das Unterbewusstsein zieht buchstäblich die Handbremse. Es blockiert dich, setzt dich unter Stress, versucht auf Teufel-komm-raus die Situation zu vermeiden.  Seine Tricks sind dabei phänomenal und manchmal so unscheinbar, daß du es gar nicht wahrnimmst.

 

Hand auf's Herz: hättest du so Rad-fahren gelernt? Das Ding hat nur zwei Räder und kippt sogar von alleine um, wenn man nicht in Balance bleibt!!!  Du wärst schon nach zwei Metern umgefallen wie ein nasser Sack! Hättest dich bestätigt darin gefühlt, daß Rad-Fahren eben gefährlich ist. Zum Glück war damals die Oma da! Tausendmal mächtiger, als irgendein Unterbewußtsein. :-)

 

Was kannst du jetzt tun? Drei Möglichkeiten um dich selbst zu kontrollieren.

 

1. Komme den Machenschaften deines Unterbewußtseins auf die Schliche

 

An das Unterbewußtsein heranzukommen ist gar nicht so leicht. Es ist Meister darin im Verborgenen zu arbeiten. Es will sich auch gar nicht von außen kontrollieren lassen, denn sonst kann es nicht  schnell genug reagieren, wenn du wirklich in Gefahr sein solltest. Deshalb arbeitet es eigenständig und gibt dir die besten Argumente mit auf den Weg, mit denen du dir selbst und anderen erklären kannst, warum diese eine Sache nicht funktioniert.

 

“Ich will das nicht, ich brauche das sowieso nicht, heute ist es windig, das mag mein Pferd nicht, mein Sattel ist nicht so gut, ich habe Rückenschmerzen.” Manchmal versuchst du dich auch darüber hinwegzusetzen. Du bemühst dich, aber es will trotzdem nicht klappen. “Vermutlich liegt es am Pferd, das kann das nicht so gut. Es ist müde, es hat Probleme. Der Reitlehrer hat mir das schlecht erklärt, ich kriege meinen Körper nicht in den Griff…”

 

Lerne zu unterscheiden, ob der Grund eine Ausrede oder ein wahrer Grund ist. Wahre Gründe können häufig leicht geändert werden - > z. B. Sattler anrufen, Reitlehrer wechseln…

 

Entlarve dich selbst. Das kannst  nur du alleine tun.

Niemand anderes.

 

2. Mache dir bewußt, wie groß oder klein dein Problem wirklich ist

 

Ist das Pferd wirklich so problematisch, oder hast du vielleicht nur das Gefühl, daß es so ist? Ist das PFerd bei einem anderen Reiter ruhiger / besser? Verhält es sich überwiegend ruhig und verlässlich, oder ist es unentwegt unkalkulierbar?

 

Gib’ deinem Pferd Schulnoten für verschiedene Dinge:

  • Ruhe und Gelassenheit im Schritt
  • Verhalten im Trab
  • Verhalten im Galopp.
  • Wie oft hält es in 10 Fällen sofort an? Wie oft nicht?
  • Wie gut läßt es sich lenken?
  • Wie oft in 10 Fällen ignoriert es dich und deinen Wunsch
  • ....

Oft wirst du feststellen, daß dein Pferd gar nicht so ein ungewisser Kandidat ist. Eigentlich ist er ganz zuverlässig und bemüht sich. Dein Pferd hat es verdient, daß du ihm ein bißchen mehr Vertrauen schenkst - auch in den Situationen, die du schlecht in Erinnerung hast! Und auch dein Pferd zweifelt, wenn du dir nicht sicher bist. Ängste und Stress übertragen sich leicht auf andere. Gerade für das Fluchttier Pferd ist es sehr wichtig, die Emotionen anderer wahrzunehmen, zu verstehen und darauf zu reagieren. Das Pferd ist dein Spiegel!

Möglicherweise braucht dein Pferd ja sogar viel mehr DEINE HIlfe, als du seine? Wenn du an den Schulnoten erkennen kannst, daß vielleicht fremde Hilfe notwendig ist, dann hole dir einen Trainer, der genau an dieser Sache mit dir arbeiten kann.

 

3. Stelle dich deiner Angst!

 

Du kannst vor deinen Ängsten nicht fortlaufen. Sie werden dich immer einholen und sie kommen mit noch größerer Macht zurück. Erinnere ich an deine Kindheit: stelle dich der Sache so früh wie möglich, arbeite an ihr unentwegt. Wie oft bist du als kleines Kind hingefallen? Wie oft sogar noch als du etwas älter warst? Hat das deinem Selbstvertrauen geschadet? Hast du heute Zweifel, daß du nicht richtig laufen kannst?

 

Mache dir bewußt, daß deine Zweifel deinen Gedanken entspringen. Und deine Gedanken hast du dir selbst gemacht - also kannst du dir auch andere machen! Zwinge dich immer ein winziges Stückchen über die eigene Grenze. Gerade so, daß du merkst, daß dir nichts passiert - aber das konsequent. Gib deinem Pferd eine Note für diesen kleinen Schritt, den ihr gemeinsam geschafft habt, damit du bewußt wahrnehmen kannst, daß ihr es geschafft habt. Feiere dich, wenn du einen Erfolg erzielt hast. Erfolge machen dich stark. Sie nehmen deinen Zweifeln die Macht.

 

Komm’ aus der Problemspirale

 

Ängste und Sorgen blockieren deinen Körper. Deine Muskeln spannen sich an, ganz ohne, daß du es steuern kannst. Deine Atmung beschleunigt sich. All das überträgt sich auf das Pferd: Die einen geraten dabei selbst unter Stress, laufen immer schneller (dem Problem davonlaufen), die anderen können gar nicht mehr gehen, kommen nicht mehr vorwärts, werden bockig (blockiert). Um nicht immer tiefer in die Problemspirale zu geraten, ist es für dich von größter Wichtigkeit, dich deinen Ängsten zu stellen und an deinen Grenzen zu arbeiten. Jeden Tag.

 

Was ist mit wirklich schwierigen Pferden?

 

Diese Pferde sind nicht von Natur aus schwierig. Aufgrund von unglücklichen Umständen und Erfahrungen sind sie schwierig für uns Menschen geworden. Umso wichtiger ist es auch für diese Pferde, nun glückliche Erfahrungen zu machen. Auch ihr Unterbewußtsein muß neu programmiert werden. Sie dürfen und müssen lernen, daß jemand an sie glaubt, daß es sich  gut anfühlt, mit dir gemeinsame Erfolge zu erzielen. Sei du ihnen der starke Partner, den sie brauchen.

 

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Anregungen zum Nachdenken geben.

Liebe Grüße, Nicole

 

Möchtest du an dir und deinem Pferd arbeiten, gemeinsam weiterkommen? Dann organisiere doch einen Kurs bei dir am Stall! Schreib' mir eine Nachricht, dann besprechen wir die Details.

 

PS: Wenn du den Artikel hilfreich fandest, teile ihn doch auf Facebook, vielleicht hilft er auch anderen weiter.  


Kommentar schreiben

Kommentare: 0