· 

Wenn der Frust kommt

Zum Haare raufen!

 

Wer kennt das nicht, manchmal scheine ich mich einfach völlig untalentiert anzustellen. Und zu allem Übel scheint mein Trainingspartner die pelzigen Ohren noch auf Durchzug zu stellen und meine Bemühungen mit Ignoranz zu strafen. Letztes Mal hat es doch noch so gut geklappt! 

 

Egal was ich tue, es scheint nur noch schlimmer, anstatt besser zu werden, und dann merke ich, wie ich langsam Frust entwickele und wütend werde. Natürlich erst mal über das unverschämte Pferd, denn schließlich kann es ja wenigstens ein bißchen Mitarbeiten. 

Noch ehe ich mich versehe, stecke ich mittendrin im Teufelskreis! Je mehr negative Emotionen in mir aufkommen, je furchtbarer scheint sich das Pferd zu verhalten. Und je schlimmer sich das Pferd benimmt... naja, ihr kennt das....

 

Was kann ich tun, um da wieder rauszukommen? 

 

Stellt euch beim nächsten Training vor, ihr setzt euch einen kleinen Mann auf die Schulter. Der darf aber nicht euer Training kommentieren, sondern er darf nur ein Wort rufen: ABBRUCH! 

 

Lernt auf den kleinen Mann zu hören. Am Anfang geht das noch schwer und oft hörte ich ihn erst, wenn ich schon mittendrin steckte. Nicht schlimm! Hauptsache, ich habe ihn überhaupt gehört! Beim nächsten Mal höre ich früher zu. Dann legt euer Zeug beiseite und macht eine kleine Pause. Ihr könnte euch kurz hinknien und Pause machen, vielleicht könnt ihr das Pferd aber auf dem Reitplatz alleine lassen und eben schnell die Stallgasse fegen, Wasser auffüllen, oder das Futter vorbereiten. 

 

Geht anschließend wieder zu eurem Pferd. Gebt zu, daß ihr ärgerlich geworden seid und eure Emotionen außer Kontrolle geraten sind. Entschuldigt euch, falls ihr wirkliches dummes Zeug gemacht habt. Dann nehmt eine Übung, von der ihr wißt, daß sie klappen wird. Fragt sie kurz (!) ab, und dann bringt euer Pferd zurück in den Stall. 

 

Warum trainiere ich nicht weiter?

Ganz einfach: solange ich meine Gefühle nicht im Griff habe, ist die Gefahr, daß ich wieder die Kontrolle verliere ziemlich groß. In wenigen Minuten wären wir wieder an der gleichen Stelle, diesmal vielleicht sogar noch heftiger. Wir beide behalten die Sache negativ im Kopf und gehen negativ aus der Trainingseinheit raus. 

 

Natürlich kannst du auch einen weiteren Versuch wagen und weitertrainieren. Aber sei dabei wirklich ehrlich zu dir selbst: Hast du dich selbst im Griff? Was passiert, wenn es schief geht? Kannst du jetzt fair und neutral sein? Ist der Frust und der Ärger gut im Keller eingeschlossen? Wenn du das kannst, dann versuche es erneut. 

 

Vielleicht noch eine wichtige Sache zum Abschluss:

Mache dir bewußt, daß es sich nicht um einen Wettbewerb handelt! Niemand MUSS dies oder jenes in einem gewissen Zeitraum schaffen, auch wenn andere dir das erklären wollen. Das sind ihre eigenen Regeln, die sie selbst erschaffen haben. Es ist ihr eigen aufgestellter Druck, den sie nun mit dir teilen wollen. Sie wollen ja nicht alleine dastehen, denn sie selbst haben sich nicht mehr "Zeit" erlaubt oder sich von anderen beeinflussen lassen. 

 

Es ist immer wichtig, sich auch eine andere Meinung anzuhören, sein eigenes Tun zu überdenken - aber die Entscheidung wie schnell oder wie langsam etwas gehen darf, liegt nur bei dir. Denn nur du wirst schließlich die Konsequenzen tragen: Du allein bist verantwortlich, ob du gefrustet nach Hause gehst -  oder glücklich, weil du ein so tolles Pferd besitzt. 

 

Du bist kein besserer oder schlechterer Pferdemensch, wenn du nicht dem Zeit- und Leistungsreglement anderer Menschen entsprichst. 

Wichtig ist, daß du nicht aufhörst, dich weiter entwickeln zu wollen. Das Tempo bestimmst du selbst. 

 

Deine Nicole

 

Möchtest du an dir und deinem Pferd arbeiten, gemeinsam weiterkommen? Dann organisiere doch einen Kurs bei dir am Stall! Schreib' mir eine Nachricht, dann besprechen wir die Details.

 

PS: Wenn du den Artikel hilfreich fandest, teile ihn doch auf Facebook, vielleicht hilft er auch anderen weiter.  


Kommentare: 0